Abendschule, trotzdem Maßnahme?

Es gibt 24 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Spaghetti.

  • Die Tochter einer von mir Begleiteten wird ab Februar ihren Hauptschulabschluss an der Abendschule nachholen.
    Weiß jemand, ob sie (U25, wohnt bei der Mutter, diese bezieht ALG2) unter Würdigung der Gesamtumstände Anspruch auf Bafög hat? Irgendwie verwirren mich die BuMin.Seiten etwas...
    Sollte keine Förderung möglich sein -also weiterhin Bezug von ALG"- kann man sie dennoch zu einer "begleitenden" Maßnahme verpflichten?
    Maßnahme in Sozialkaufhaus wurde heute beim Termin schon "angedroht", natürlich inkl. Bewerbertraining und Soz.Päd"Betreuung", das möchte ich ihr gerne ersparen.
    Gemäß SGB VI wäre sie ja dann in Ausbildung ->
    Der Besuch einer Abendschule ist Ausbildung, wenn
    der tatsächliche Zeitaufwand für den Unterricht, die häuslichen Arbeiten
    und die erforderlichen Schulwege mehr als 20 Wochenstunden beträgt (§
    48 Abs. 4 S. 2 SGB VI) (ISRV:NI:AGFAVR 1/90 6).
    Nimmt die Ausbildung die Zeit und Arbeitskraft des Auszubildenden
    überwiegend in Anspruch, steht die gleichzeitige Ausübung einer
    Erwerbstätigkeit oder die Ableistung eines Wehr- oder Zivildienstes der
    Annahme von Schulausbildung nicht entgegen (ISRV:NI:FAVR 5/98 3).


    Danke vorab schon mal


    Pragmat

  • genaues weiß ich nicht, sondern kann nur von einem Bekannten erzählen.
    Dieser machte in der Abendschule seinen Realschulabschluss nach, bekam für die Zeit Bafög und wurde in keine Maßnahme des [lexicon]Jobcenter[/lexicon] gesteckt.

  • genaues weiß ich nicht, sondern kann nur von einem Bekannten erzählen.
    Dieser machte in der Abendschule seinen Realschulabschluss nach, bekam für die Zeit Bafög und wurde in keine Maßnahme des [lexicon]Jobcenter[/lexicon] gesteckt.

    Klare Sache, mit Bafög-Finanzierung finanziert er sich nicht über [lexicon]ALG II[/lexicon], also kein Jobcenterstress.


    Meine Beiträge stellen meine persönliche unmassgebliche Meinung dar und erheben keinen Anspruch auf Richtigkeit oder Vollständigkeit.

  • Der § 48 SGB VI behandelt die Zugangsvoraussetzungen zur Waisenrente, zur Abwehr von Jobcentermassnahmen dürfte der Paragraph aber eher ungeeignet sein.




    Mir erschliesst sich auch nicht, warum man für einen Abendschulbesuch BAFÖG benötigt, auch noch für einen Hauptschulabschluss.


    Ausserdem: was soll daran unzumutbar sein, als leistungsfähiger junger Mensch danach zu trachten, sich selber zu finanzieren und einen passenden Job zu suchen?


    ich sehe das auch so, dass ein Abendschulbesuch einem [lexicon]ALG II[/lexicon] - Bezug und Massnahmewahrnehmung nicht entgegensteht.


    Man müsste auch wissen, wie alt die U25-Person tatsächlich ist, und wie gut die Chancen auf einen Schulabschluss tatsächlich sind, oder ob man nicht versuchen sollte, gleich in eine Ausbildung einzusteigen, z.B. über eine Einrichtung für Personen mit Vermittlungshemmnissen (Sonderprogramme).


    Was man vermeiden sollte, ist ein Szenario ähnlich diesem:


    Person knapp unter 25, kein vorzeigbarer Lebenslauf, dann noch Schulmnassnahmen auf niedrigem Niveau, dass sowieso niemanden interessiert, schon gar keinen Arbeitgeber, dann noch eine alberne Schmalspurausbildung, die einen trotz aller Bemühungen direkt in die Arbeitslosigkeit katapultiert. Dann ist die betreffende Person knapp 30, hat nichts aufzuweisen und das in einem Alter, wo andere sich bereits invalide gearbeitet haben.


    Wenn sich sowas abzeichnet, braucht man einen Plan B.


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  • Ich kann jetzt nur aus meiner Situation damals berichten wie ich mein Abitur machte auf dem Abendgymnasium. Da war es so, das die ersten 2 Jahre es kein Bafög gab, da es neben dem Beruf Abends gemacht wurde. Im letzten Jahr konnte man Bafög beantragen, da man kaum neben dem Abitur noch arbeiten gehen kann. Hier ist aber zu beachten, das der junge Mensch noch keinen regulären Schulabschluss hat sondern diesen eben als Abendschüler nachholen will. Dies mit Drohungen zu versuchen zu unterbinden zeigt wieder einmal, das SBs keinen Verstand besitzen oder auf Deibel komm raus Sanktionen zur Statistikfälschungen oder Einsparungen sich hergeben. Ich würde darauf hinweisen, daß eben der Hauptschulabschluss und damit der erste Schulabschluss nachgemacht werden soll.

  • Danke, Jessy, darum ging es mir.
    Auch an Linchen mein Dank, es scheint also, dass ich die §en richtig interpretiert habe.
    @fairina, merci, Du hast es auf den Punkt gebracht.


    Spaghetti
    so ganz will sich mir die Intention Deines Beitrages nicht erschließen. Du operierst hier mit Vermutungen und nutzt Termini wie "Schmalspurausbildung"...ich weiß nicht so recht, was ich davon halten soll.
    Auch scheinst Du diese sog. "Maßnahmen" für durchaus angebracht zu halten, hierzu verweise ich auf die Inhalte des Flyers, welchen ich meinem Beitrag in der Kategorie -EGV- beigefügt habe.
    Wie im Beitrag beschrieben, braucht die Betroffene (20J.) den HSA, um danach eine einjährige Ausbildung zur Pflegeassistentin zu absolvieren. Auf dieser kann dann weiter aufgebaut werden, Endziel exam. Altenpflegerin.
    Desweiteren kann ich nicht nachvollziehen, wie sich Deiner Meinung nach ein Besuch der Abendschule (4 Std. Unterricht bis 22.00 Uhr, An-und Abfahrt, Hausaufgaben) mit Massnahmen verbinden lassen soll. Der junge Mensch sollte mMn seine Konzentration auf das erste Ziel ausrichten (können) und nicht in unbezahlter Tätigkeit Kraft, Lebenszeit und Konzentration verschwenden.
    Eine unbezahlte HiWi-Tätigkeit, die lediglich den Maßnahmeträger bereichert, die Betroffene aber keinesfalls weiterbringt - siehe die erwähnten Ziele - kann durchaus demotivierend und damit kontraproduktiv wirken.

  • Ich meine auch, daß sich hier das Schüler-Bafög anbietet eben weil es der erste mögliche Schulabschluss ist.

  • @ Pragmat


    Dein Schützling ist 20, andere haben in dem Alter nicht nur einen Hauptschulabschluss, sondern einen Realschulabschluss,
    und nicht nur dass, sondern auch noch eine abgeschlossene Ausbildung.


    Im Gegensatz dazu hat dein Schützling bisher offensichtlich nichts aufzuweisen und denkt gerade mal darüber nach, einen Hauptschulabschluss nachzuholen.


    Dabei soll die Hauptschule so anstrengend sein, dass man nach vier Stunden Abendschule so erschöpft ist, dass an nichts anderes mehr gedacht werden kann.


    Dann wird eine Massnahme in einem Sozialkaufhaus für gering erachtet.


    Dabei wird offensichtlich gerne übersehen, dass sich hier für einen jungen Menschen die Möglichkeit bietet, zumindest die Grundzüge des Berufes eines Einzelhandelskaufmannes kennenzulernen und sich entsprechende Kenntnisse anzueignen.




    Man verzichtet offensichtlich auch gerne auf die Gelegenheit, sich ein nettes Arbeits- bzw. Massnahmezeugnis an Land zu ziehen, dass durchaus die Bewerbungsmappe schmücken könnte.


    Ich denke dabei auch an eine kleine Photodokumentation, die deinen Schützling in den verschiedenen Abteilungen des Sozialkaufhauses zeigt und die die dort vermittelten Kenntnisse noch unterstreicht.


    Wenn man nichts aufzuweisen hat, muss man seine wenigen Möglichkeiten nutzen.


    Meine Beiträge stellen meine persönliche unmassgebliche Meinung dar und erheben keinen Anspruch auf Richtigkeit oder Vollständigkeit.

  • Bei nicht jedem Menschen ist die schulische Ausbildung ohne Komplikationen verlaufen. Es ist schön, wenn jemand in diesem Alter sich hinsetzt und sich nicht damit zufrieden gibt was er hat sondern auch noch etwas mehr will und ein Ziel verfolgt.


    Du - und wir alle kennen den Schützling von Pragmat nicht und wissen nicht, was ihn bis jetzt daran gehindert hat, seine Schullaufbahn weiter zu verfolgen - lebte er auf der Straße, aus welchen Gründen auch immer? Hat sich keiner zu Hause um die schulischen Dinge gekümmert oder ist er einfach durch das berühmte Netz gefallen?!?


    Wieso urteilst du?

  • @ Spaghetti: Hast du schon mal monatelang jeden Abend in der Woche (außer Sa und So) Abendschule gemacht und nebenher gearbeitet?


    Für den Schulabschluss muss die Person so einiges lernen und auch wieder erarbeiten, weil schon etwas aus Schule raus. Dann noch 6 h täglich arbeiten?


    Ich weiß nicht, wie lange die Abendschule jeden Tag geht. Gehen wir mal von 4 h aus.


    4 Stunden Schule
    6 Stunden Maßnahme
    2 Stunden oder mehr Fahrtzeit


    Da bleibt nicht mehr viel für ausreichend Schlaf, lernen und Grundbedürfnisse wie Essen, Einkaufen... Vielleicht noch Haushalt machen... das kommt ja alles hinzu.


    Abgesehen davon bringt so eine MAE gar nichts außer Geld für den Maßnahmeträger.

  • Zitat

    Wieso urteilst du?

    ich urteile nicht.


    Sondern ich zeige Möglichkeiten auf und denke darüber nach, wie ein Personalentscheider denken könnte, wenn er eine entsprechende Bewerbung auf seinem Schreibtisch vorfindet.


    Den Arbeitgeber interessiert es einfach nicht, ob und was in der Vergangenheit schiefgelaufen ist.


    Ihn interessiert nur die Antwort auf die Frage, ob der Bewerber für das Unternehmen den erforderlichen Mehrwert generieren kann.


    Hier war auch mal die Rede von einem Bufdi-Platz.


    Man soll sich nicht vertun, auch dort schauen die Entscheider auf die Bewerbungsmappe und überlegen sich, wer da kommt.


    Und dann sage ich ganz klar: wenn vielleicht in einem Jahr der Hauptschulabschluss erreicht ist und sonst nix, dann ist der Hauptschulabschluss zu wenig.


    Und wie das in einem Forum so ist: ich kann ja nur meine Gedanken darlegen, wie der Betroffene sich schlussendlich entscheidet, liegt ja nicht bei mir. Der Betroffene kann meinen Ansichten folgen, in seine Überlegungen einbeziehen oder diese gänzlich verwerfen.


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  • schon mal daran gedacht, das man solche Abschlüsse aus eigenem Willen und nur für sich machen kann?

  • @ Spaghetti
    Zunächst, wenn auch häufig gebraucht, präferiere ich das Wort "Schützling" nicht, ich bevorzuge da "Betroffene/r"
    Dann bitte ich Dich desweiteren doch herzlich darum, ohne jedwedes Hintergrundwissen um die speziellen Umstände der Betroffenen, Dich vielleicht nicht in unterschwellig mit Vorhalten behafteten Schuldzuweisungen zu ergehen.
    Da Dir ebenfalls keine wirklichen Erkenntnisse über die sog. "Maßnahmen" hier vor Ort vorliegen (bitte korrigiere mich, solltest Du in Offenbach ansässig sein), kannst Du nicht wissen, wer wo was vermittelt. Ich selbst hingegen spreche aus Erfahrung durch langjähriges "Mit"Erleben. Und diese Erfahrungen stehen im absoluten Gegensatz zu Deiner Einschätzung in Bezug auf Sinnhaftigkeit dieser Arbeitsmaßnahmen.
    Über Sinn, Zweck und wer von derart Maßnahmen WIRKLICH profitiert, können wir gerne in einem separaten thread diskutieren.Bezüglich des Wertes eines "netten" Träger-Zeugnisses bei einem potentiellen Arbeitgeber mögen sich andere user äußern...


    @Jessy, ich freue mich immer über empathische Beiträge :thumbup: daher danke

  • Nachdem ich einiges über die Offenbacher Um-(Zu-)stände durch Dritte mitbekommen habe, kann ich dir bezüglich der Sinnlosigkeit der Maßnahmen da nur zustimmen!


  • Vergleichen wir das doch mal mit einem Auszubildenden in einer Autowerkstatt, also Kfz.-Mechatroniker.


    Der muss 8 Stunden arbeiten und seine Kostenstelle rechtfertigen.


    Wenn du dem erzählst, wie schrecklich doch das Leben ist, dein Schützling müsse doch glatt 4 Stunden die Schulbank auf Hauptschulniveau drücken und ausserdem noch 6 Stunden Massnahme abgammeln, wird der dich verständnislos wie ein Auto angucken.


    Und gottchen, zwei Stunden und mehr Wegezeit, ist ja gegen die Menschenrechte, besonders wenn es stürmt und schneit. 8|


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  • Ich weiß zwar nicht wo Du lebst (will ich eigentlich auch nicht wissen) aber in Deutschland besteht für Auaszubildende eine Berufschulpflicht, mind. 1 x /Woche.

  • Ich denke, meine Eingangsfragen sind dank hilfreicher user wie Urviech, Jessy, Fairina ff soweit beantwortet.
    Hierfür nochmals danke.
    Spaghetti , solltest Du das grundlegende Bedürfnis haben, Dich in Vermutungen, Sinnfragen und Zynismus zu ergehen, ist Dir das unbenommen, jedoch werde ich mich hierzu nicht mehr äußern.